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Zeitgemäße Prüfungskultur

Eindrücke aus zwei Clubhouse-Diskussionen

Am 26.01. und am 02.02.21 moderierte ich Gespräche bei Clubhouse, die zeitgemäße Prüfungskultur zum Thema hatten. Das erste Mal mit Hendrik Haverkamp, das zweite Mal mit Jennifer Steckel. Im Vorfeld gab es in anderen sozialen Netzwerken Kritik: Ein elitäres Netzwerk, zu dem viele Interessierte gar keinen Zugang haben, das ein bestimmtes Gerät und eine “Einladung” eines Mitglieds voraussetzt — das widerspreche doch den Gedanken von offenem Zugang, gleichberechtigter Kommunikation, kurz: allem, wofür die offene Netzkultur sich einsetzt. Wir haben diese Diskussionen trotzdem durchgeführt. Die Einwände sind berechtigt und nachvollziehbar. Dennoch erprobten wir die (Stand: 02.02.21) neue Möglichkeit des Diskutierens und siehe da: Es geht unhierarchisch, gepflegt, teils kontrovers und interessant zu. “Leave quietly” und “Join quietly” sorgen dafür, dass Einstiegshürden gering, die Vielfalt der Teilnehmenden hoch, der Diskussionsfluss kontinuierlich und der gedankliche Gehalt hoch waren. Einige Gedanken aus diesen Diskussionen möchte ich hier zugänglich machen, damit sie auch für Personen ohne Clubhouse-Zugang erreichbar sind und damit sie generell erhalten bleiben.

  1. Aus dem Fach Sport kam die Anregung, dass es dort sehr verbreitet sei, zunächst eine Ausgangsdiagnose durchzuführen, um dann nach einer Schlussfeststellung die Entwicklung zu bewerten, statt der vermeintlich objektiven gleichen Werte für alle. Der Prozess rückt damit verstärkt in den Blick gegenüber dem Produkt.
  2. Es kam die Frage auf, wie denn mit skeptischen Eltern umzugehen sei, die neuen Prüfungsformaten skeptisch gegenüber stehen. Ein Teilnehmer steuerte seine Seepferdchen-Geschichte bei. Er empfahl, kritischen Eltern damit zu begegnen. Das Seepferdchen-Abzeichen belegt, dass man schwimmen gelernt hat. Viele haben persönliche Erinnerungen an diesen Vorgang. Nun gibt es allerdings auch Kinder, die kein Seepferdchen haben und trotzdem gute Schwimmer sind. “Was möchten Sie für Ihr Kind: Dass es gut schwimmen kann oder dass es das Abzeichen trägt?” Auch der Vorgang der Seepferdchen-Prüfung war nicht für jedes Kind angenehm (für einige allerdings wahrscheinlich schon). Das Abzeichen könne man gerne “auch so” verteilen, entscheidend sei ihm als Schwimmlehrer, dass man jedes Kind mit dem Können versieht, im Swimming-Pool nicht unterzugehen und darüber hinaus jedem einzelnen Kind durch 1:1-Begleitung dazu verhilft, im Wasser noch sicherer und schneller zu werden.

Teaching & Learning in Berlin, Germany — Referent Schulaufsicht der Ev. Schulstiftung in der EKBO | früher: Lehrer, Seminarleiter, Oberstufenkoordinator

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